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“Im richtigen Leben ist er Art Director in einer Düsseldorfer Werbeagentur. Was nur eine logische Fortsetzung seiner intensiven
graphischen Ausbildung ist, die er Anfang der 80er Jahre genießen durfte. Ein Zeitpunkt, der gleichzeitig der Beginn seiner Arbeit an Objekten war, die unter dem Arbeitstitel “DeFormationen” entstanden sind. Werke, die
Rohstoffe zu dreidimensionalen Materialverformungen komponieren - in entfernter Anlehnung an die Noveaux Réalistes um Arman, aber auch in der prismatischen Auflösung und der papierenen Collagierung des geschriebenen
Wortes, ähnlich wie beim Beuys-Schüler Hubertus Gojowczik. Gieso Ristau arbeitet dabei mit einer bisweilen surrealen Lust an der Zerlegung und damit an der Entdeckung ungewöhnlicher
Spannungsverhältnisse.” ( Überblick 10/2000 ) ...“Ich möchte möglichst wenig Vorgaben machen. Der Betrachter soll auf eine
Entdeckungsreise gehen, immer etwas Neues in den Objekten finden können.” (Gieso Ristau in der
Rheinischen Post, 7.11.2000) ...Was sonst Hülle, Behältnis und funktionierendes Alltagsobjekt ist, wird in den
Arbeiten von Gieso Ristau zu bizarren Malgründen angehäuft, zu Objektträgern mit zum Teil ziemlich heftiger Struktur. Wir haben es hier zwar mit einer Verwendung von Alltagsgegenständen zu tun - jedoch sowohl weit
entfernt von den Alltags-Akkumulationen des Nouveau Realism wie auch von der reinen Material-Ästhetisierung und -Mystifizierung anderer Richtungen seit Beuys....Ob in den früheren Arbeiten mit ihrem malerischen All-Over
oder den späteren mit ihren geometrischen bis figurativen, ineinandergreifenden Elementen - wir erleben vordergründig eine heiter-fröhliche Farbenpracht manchmal auch eine diffus-meditative Ausgeglichenheit (ein
bisschen wie bei den Farb-Raum-Körpern Graubners), die nicht so recht stillhalten will! Unter der Oberfläche nämlich rumort es! Manchmal scheint es, als würde die Material-Ebene, die Formation unter der Farbe nur
mühsam die Contenance, ihre artifizielle Fassung, bewahren, um nicht aus den Nähten zu platzen, will sagen: aus der DeFormation zu geraten. Immer wieder scheint der mühsam mono-materialisierte Bildgrund kraftvoll
sein Eigenleben behaupten zu wollen. Hier fragt sich dann der Betrachter: Hat es da nicht gerade geknackt? War das gerade auch schon so? Veränderungen im Lichteinfall und Betrachterstandpunkt tun ihr Übriges, um
jedes Objekt Gieso Ristaus immer wieder ein wenig anders wirken zu lassen. Dasselbe gilt - viel schlimmer noch - für die ganz neuen, sehr fragilen Arbeiten aus gefaltetem, gerolltem, gewrungenem und geknülltem
Papier, die scheinbar und scheinheilig eindeutig lesbar daherhängen.... (Ralf Thiesen zur Ausstellungseröffnung “DeFormationen”, 22.10.2000 |